Trennung und Scheidung im Kanton Bern: Gerichte, Behörden, Kosten und Hilfe
Kurz gesagt. Das Scheidungsrecht ist Bundesrecht, die Organisation aber bernisch. Scheidung und Eheschutz beurteilt eines der vier Regionalgerichte als Einzelgericht (Art. 8 Abs. 1 EG ZSJ, BSG 271.1). Ausserhalb eines Verfahrens sind elf kantonale Kindes- und Erwachsenenschutzbehörden für die Kinder zuständig (Art. 3 Abs. 1 KESG, BSG 213.316). Unbezahlte Alimente treibt die Wohnsitzgemeinde ein, keine kantonale Stelle (Art. 1 Abs. 2 des Gesetzes BSG 213.22).
Rechtsstand 1. Mai 2026 · geprüft am 2. Oktober 2026 · verfasst von divorceinfo.ch auf Grundlage der amtlichen Texte. Diese Seite erklärt das Recht; sie ersetzt keine Beratung zu Ihrer Situation.
Die bernischen Erlasse sind auf Deutsch und Französisch gleichermassen massgebend. Die Gemeinde Moutier ist zum Kanton Jura gewechselt (Art. 88a GSOG, BSG 161.1); wer dort wohnt, wendet sich an die jurassischen Behörden.
Welches Gericht ist für Scheidung und Trennung im Kanton Bern zuständig?
Das Gericht am Wohnsitz einer der Parteien (Art. 23 Abs. 1 ZPO). Bern hat vier Regionalgerichte (Art. 80 Abs. 1 und 81 Abs. 1 GSOG): Berner Jura-Seeland (Sitz Biel, Aussenstelle Berner Jura), Emmental-Oberaargau (Burgdorf), Bern-Mittelland (Bern) und Oberland (Thun). Das Einzelgericht urteilt ohne vorgängige Schlichtung (Art. 8 Abs. 1 EG ZSJ; Art. 198 Bst. a und c ZPO). Die Aussenstelle Berner Jura kann vorübergehend im Verwaltungskreis Biel/Bienne untergebracht werden (Art. 88a GSOG); nach den amtlichen Seiten befindet sie sich an der Unionsgasse 13 in Biel und arbeitet auf Französisch, der Sitz Biel zweisprachig, die übrigen Regionalgerichte auf Deutsch. Die Berufung geht an das Obergericht (Art. 6 Abs. 1 EG ZSJ). Ablauf: das Scheidungsverfahren.
Wer schützt die Kinder?
Während des Verfahrens trifft das Gericht die Kindesschutzmassnahmen (Art. 315a Abs. 1 ZGB). Sonst sind es die KESB: eine je Verwaltungskreis, ausgenommen drei in Bern-Mittelland und eine gemeinsame für Obersimmental-Saanen und Frutigen-Niedersimmental (Art. 3 Abs. 2 KESG), dazu eine burgerliche KESB (Art. 4 Abs. 1 KESG). Die KESB Berner Jura hat ihren Sitz in Courtelary (Art. 1 KESV, BSG 213.316.1). Verfahren über Massnahmen nach Art. 307 bis 311 ZGB sind grundsätzlich kostenlos (Art. 63 Abs. 3 Bst. d KESG). Beschwerde an das Kindes- und Erwachsenenschutzgericht des Obergerichts (Art. 65 KESG), innert dreissig Tagen, bei vorsorglichen Massnahmen innert zehn Tagen (Art. 450b Abs. 1 und 445 Abs. 3 ZGB, sinngemäss anwendbar nach Art. 314 Abs. 1 ZGB). Bundesrecht: Kinder und Scheidung.
Was kostet das Verfahren?
Eine Scheidung kostet vor dem Regionalgericht 600 bis 12'000 Taxpunkte, ein Taxpunkt ist CHF 1.- wert (Art. 41 Abs. 1 und Art. 4 VKD, BSG 161.12); ein Eheschutzverfahren 100 bis 20'000 (Art. 40 VKD). Der Vorschuss beträgt höchstens die Hälfte der mutmasslichen Gerichtskosten (Art. 98 Abs. 1 ZPO). Ohne Honorarvereinbarung rechnet auch die eigene Anwältin nach dem Parteikostentarif ab (Art. 40 Abs. 2 KAG, BSG 168.11). Einzelheiten: Scheidungskosten im Kanton Bern.
Habe ich Anspruch auf unentgeltliche Rechtspflege?
Wenn Ihnen die erforderlichen Mittel fehlen und Ihr Rechtsbegehren nicht aussichtslos erscheint (Art. 117 ZPO). Das Gesuch geht an das befasste Gericht oder, vor dem Prozess, an das Regionalgericht (Art. 13 Abs. 1 und 2 EG ZSJ). Die amtliche Anwältin erhält bis 31. Dezember 2026 CHF 200.- pro Stunde (Art. 1 EAV, BSG 168.711) und darf von der Klientschaft kein Honorar fordern (Art. 42a Abs. 1 KAG). Die Nachzahlung verlangt die zuständige Stelle der Finanzdirektion, sobald Sie dazu in der Lage sind (Art. 123 ZPO; Art. 14a EG ZSJ). Einzelheiten: unentgeltliche Rechtspflege im Kanton Bern.
Wer hilft, wenn die Alimente nicht bezahlt werden?
Die Gemeinde am zivilrechtlichen Wohnsitz oder die Stelle, der sie die Aufgabe übertragen hat (Art. 1 Abs. 2 und 1a Abs. 2 des Gesetzes BSG 213.22); im Berner Jura nach seiner Seite der Service d'action sociale de Courtelary für die Gemeinden, die er betreut. Für das Kind ist die Hilfe unentgeltlich (Art. 1 Abs. 1). Vorschüsse gibt es nur für das Kind, in Ausbildung längstens bis zum vollendeten 25. Altersjahr (Art. 3 Abs. 1), höchstens bis zur maximalen einfachen AHV-Waisenrente (Art. 19 Abs. 1 IBV, BSG 213.221) — eine Obergrenze des Vorschusses, nicht die Höhe der Alimente. Einzelheiten: unbezahlte Alimente im Kanton Bern.
Wo finde ich Hilfe: Mediation, Opferhilfe, Sozialdienst?
- Mediation. Unentgeltlich in kindesrechtlichen Angelegenheiten, wenn die Mittel fehlen und das Gericht sie empfiehlt (Art. 218 Abs. 2 ZPO); in Bern entscheidet das befasste Gericht (Art. 15 EG ZSJ). Ein kantonales Elternkonsens-Modell gibt es nicht; das Pilotprojekt ZFIT für hochstrittige Eltern ist nur auf Zuweisung des Regionalgerichts Bern-Mittelland oder der KESB Stadt Bern zugänglich.
- Gewalt. Bei Gefahr: 117. Die Opferhilfe Bern (Bern und Biel) berät unentgeltlich (Art. 5 OHG); Verfügungen der Gesundheits-, Sozial- und Integrationsdirektion werden beim Verwaltungsgericht angefochten (Art. 15 EG OHG BE, BSG 326.1). Nationale Opferhilfe-Nummer 142 seit dem 1. Mai 2026.
- Sozialhilfe. Beim Sozialdienst der Gemeinde (Art. 23 Abs. 3 SHG, BSG 860.1), subsidiär (Art. 9 Abs. 2 SHG); keine kantonalen Ergänzungsleistungen für Familien. Ohne Schweizer Pass kann Sozialhilfe die Bewilligung berühren (Art. 62 Abs. 1 Bst. e AIG, ausgenommen die Niederlassungsbewilligung, für die Art. 63 AIG gilt): eine Frage des Ausländerrechts, vorher zu klären (Scheidung und Aufenthaltsbewilligung).
- Erste Rechtsauskunft. Rechtsauskunftsstellen des Bernischen Anwaltsverbands, höchstens CHF 50.- (u. a. Bern, Thun, Burgdorf, Biel); kostenlose telefonische Rechtsberatung der Berner Eheberatung, höchstens 30 Minuten.
Welches Existenzminimum gilt?
Für die Lohnpfändung (Art. 93 Abs. 1 SchKG) legt das Kreisschreiben B 1 der Aufsichtsbehörde des Obergerichts (1. April 2010) den monatlichen Grundbetrag fest: CHF 1'200.- für Alleinstehende, CHF 1'350.- für Alleinerziehende, CHF 1'700.- für ein Ehepaar, CHF 400.- je Kind bis 10 Jahre, CHF 600.- darüber, zuzüglich Miete und Krankenkasse. Für die unentgeltliche Rechtspflege erhöht ihn das Kreisschreiben Nr. 1 (25. Januar 2011) um 30 Prozent. Es ist nicht das familienrechtliche Existenzminimum für den Unterhalt. Vergleich: Existenzminimum in den Kantonen.
Was ungewiss bleibt
- Kein bernischer Text sieht einen Vorschuss für Ehegatten oder Ex-Ehegatten vor; eine Praxisseite nennt einen.
- Der Stundenansatz der amtlichen Anwältin steigt am 1. Januar 2027 auf CHF 210.- (künftige Fassung der EAV); für ein Mandat über beide Zeiträume sagt der Text nicht, welcher Ansatz für welche Stunden gilt.
- Die Grundbeträge des Kreisschreibens B 1 stammen von 2009; die Mittelgrenze der unentgeltlichen Rechtspflege beziffert kein Gesetz.
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Quellen
- Zivilprozessordnung: Art. 23, 98, 117, 123, 198, 218 ZPO — Fedlex, SR 272
- Zivilgesetzbuch: Art. 307 bis 311, 314, 315a, 445, 450b ZGB — Fedlex, SR 210
- OHG: Art. 5, Fedlex, SR 312.5 · AIG: Art. 62, 63 — Fedlex, SR 142.20 · SchKG: Art. 93 — Fedlex, SR 281.1
- Bern, Gerichtsorganisation: EG ZSJ, BSG 271.1, Art. 6, 8, 13, 14a, 15 — belex; GSOG, BSG 161.1, Art. 80, 81, 88a — belex
- Bern, Kosten und Anwälte: VKD, BSG 161.12, Art. 4, 40, 41 —
belex; KAG, BSG 168.11, Art. 40, 42a —
belex; EAV, BSG 168.711, Art. 1 (Fassung gültig bis
- Dezember 2026) — belex
- Bern, Kindesschutz: KESG, BSG 213.316, Art. 3, 4, 63, 65 — belex; KESV, BSG 213.316.1, Art. 1
- Bern, Alimente: Gesetz vom 6. Februar 1980 über Inkassohilfe und Bevorschussung von Unterhaltsbeiträgen, BSG 213.22, Art. 1, 1a, 3 — belex; IBV, BSG 213.221, Art. 19 — belex
- Bern, Hilfe: EG OHG BE, BSG 326.1, Art. 15 — belex; SHG, BSG 860.1, Art. 9 und 23 — belex
- Praxis (bindet das Gericht nicht): Kreisschreiben B 1 der Aufsichtsbehörde in Schuldbetreibungs- und Konkurssachen des Obergerichts, 1. April 2010; Kreisschreiben Nr. 1 der Zivilabteilung des Obergerichts und des Verwaltungsgerichts, 25. Januar 2011; amtliche Seiten der Regionalgerichte, abgerufen am 1. Oktober 2026; Seite «Pensions alimentaires» des Service d'action sociale de Courtelary, abgerufen am 10. September 2026